Yoga ist ein ganzheitlicher Übungsweg, der Körper, Geist und Seele anspricht. Die Wurzeln vom Yoga sind in Indien und entstanden bereits vor ca. 3500 Jahren. Das Wort Yoga bedeutet „anschirren – verbinden“ und bezieht sich auf das „Gespann“ Körper, Atem und Geist. Im Laufe der Jahrtausende haben sich verschiedene Yoga-Wege mit unterschiedlichen Akzenten entwickelt. Hatha-Yoga, eine der grössten Yoga-Richtungen,  soll uns helfen, die Energien in sich zu erfahren und zu lenken.

Der Hatha-Yoga ist im 6. Jahrhundert in Zusammenhang mit der grossen indischen Geistesströmung des Tantrismus aufgetaucht, wo dem Körper eine grosse Bedeutung beigemessen wird. Im Hatha-Yoga beginnt der Übungsweg damit, Körperbewusstheit zu entwickeln und ihn mit Reinigungsübungen, Bewegungsabläufen und Körperhaltungen (Asanas) zu reinigen, zu stärken und in Harmonie zu bringen. Die vielen Asanas, die der Hatha-Yoga in den letzten Jahrhunderten entwickelt hat, gelten als Werkzeuge, um alles, was im Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist, was blockiert und geschwächt ist, zu behandeln. Dieser Weg führt dann weiter zu den Atemtechniken (Pranayama). Eine Fülle von unterschiedlichen Atemformen, welche eine bestimmte Befindlichkeit und Stimmung hervorrufen und somit unterschiedlich auf die Lebensenergie (Prana) einwirken. Nachdem die Reinigungs- und Körperübungen die Energiekanäle im Körper (Nadis – mit Meridianen vergleichbar) gereinigt und mit Prana durchströmt haben, soll die Energie nun über einen zentralen Kanal aufsteigen. Dieser „Königsweg der Energie“ befindet sich in der Mitte der Wirbelsäule des subtilen Körpers.

Der klassische Yoga-Weg basiert auf dem 8-gliedrigen-Pfad. Dies sind acht Schritte auf dem Weg zur Erkenntnis des eigenen, wahren Wesenskerns. Die ersten fünf Schritte werden als der „äussere Weg“ und die letzten drei als „der innere Weg“ genannt. Zweck dieses Pfades ist es zu erkennen, wie wir strukturiert sind, was in diesen Strukturen Leid in uns erschafft und wie wir es auflösen können. Ziel ist es, einen inneren Zustand von Freiheit zu erreichen, indem wir alles hinter uns lassen, was einengt und behindert. Indem die Konditionierungen des Ego aufgelöst werden, wird ein Zugang zur Wirklichkeit möglich – und wir werden Sehende – „was ist“…

  1. Yama – Wegweisungen für den Umgang mit der Umwelt
  2. Niyama – Wegweisungen für den Umgang mit uns selbst
  3. Asana – Körperübungen / Sitzhaltungen
  4. Pranayama – Die Kunst, den Atem und die Lebensenergie frei fliessen zu lassen
    und zu lenken
  5. Pratyahara – Das Zurückziehen der äusseren Sinne und die Entfaltung der
    inneren Sinne
  6. Dharana – Die Sammlung der Aufmerksamkeit in der Konzentration
  7. Dhyana – Das Sich-Versenken, die Meditation
  8. Samadhi – Das völlige Verschmelzen mit dem, worauf man seine
    Aufmerksamkeit gerichtet hat

 

Die 10 essenziellen Yoga-Übungen

Die Bilder sind aus dem Buch “Die Essenz des Yoga” von Reto H. Zbinden

 

  • Das Wichtigste um mit Yoga zu beginnen ist eine qualifizierte Anleitung resp. einen Einführungskurs in einer anerkannten Yogaschule. Nimm dir die Zeit verschiedene LehrerInnen zu testen – viele Schulen bieten eine Schnupperstunde an.
  • Wenn du zu Hause Yoga übst, achte darauf dass du einen ungestörten Platz hast von ca. 6 Quadratmetern damit du dich auf alle Seiten bewegen kannst. Der Platz soll freundlich und einladend sein.
  • Weiter brauchst du eine rutschfeste, nicht zu dicke Matte sowie eine Sitzhilfe in Form eines Kissens oder Bänckchens. Für die Entspannung kann eine Decke und ev. eine Knierolle hilfreich sein.
  • Es ist ratsam mindestens eine, besser zwei Stunden vor dem Praktizieren nichts mehr zu essen.
  • Entleere Blase und Darm.
  • Lege grossen Schmuck und die Uhr ab – werde zeitlos…
  • Trage bequeme, leichte Kleidung die dir auch erlaubt einen grossen Ausfallschritt zu machen.
  • Praktizieren Yoga wenn möglich mit nackten Füssen für einen guten Halt und Erdung.

Ja, aber übe während der Menstruation achtsam und sanft und erlaube dir, bei Bedarf früher aus der Übung zu kommen. Oft wird empfohlen, auf Umkehrhaltungen zu verzichten. Finde selber heraus, was für dich stimmt.

  • Die Übungsdauer der Asanas variiert je nachdem was ich erreichen will. Wenn ich z.B. Kraft und Stabilität erlangen will dann wähle ich kraftvolle Asanas, welche länger gehalten werden. Wenn es eher um Beweglichkeit und Durchlässigkeit geht, ist es sinnvoll „Flows“ (Abläufe) zu üben in denen Atem und Bewegung miteinander synchronisiert werden. Möchten wir zur Ruhe kommen dann werden am besten langsame Bewegungen gemacht welche oft wiederholt werden. Wollen wir uns jedoch aktivieren dann hilft es schnelle Abläufe zu üben, ev. mit eingebauten Sprüngen. Wichtig ist, ein Ablauf über mehrere Wochen zu üben bis sie „greifen“ und eine Veränderung stattfinden kann.

Immer – Hauptsache du versuchst Yoga in dein Leben zu integrieren… und übst!

  • Traditionellerweise übt man Yoga am frühen Morgen bei Sonnenaufgang. Da ist das Telefon noch stumm, es läutet noch niemand an der Türe, es ist noch ruhig im Hause und dein Geist ist noch unbelastet.
  • Ein weiterer guter Zeitpunkt ist der Abend – den Tag mit Yoga abzuschliessen macht Sinn. Das Üben am Abend hilft dir eine Schleuse zu erschaffen zwischen Arbeitstag und Feierabend.
  • Was heute in Yogaschulen auch oft angeboten wird, sind Yogastunden in der Mittagspause. Auch das macht Sinn, da es hilft sich fit zu machen für die zweite Tageshälfte.

Nein.

  • Viele Menschen verbinden Yoga mit Lotossitz und Kopfstand, mit akrobatischen Bewegungen – doch das ist es nicht. Wichtig ist den Körper da abzuholen wo er im Moment ist.
  • Sprechen wir im Yoga von Beweglichkeit, so geht es um die Befreiung von steifen Gelenken, um Mobilisierung damit der Fluss der Lebensenergie unbehindert fliessen kann.
  • Sprechen wir von Flexibilität, geht es vor allem darum, geistige Beweglichkeit zu entwickeln.

Ja, Yoga ist für alle Lebensalter geeignet – „Yoga kennt kein Alter“.

  • Sicher spüren wir mit dem Älterwerden, dass die Kraft nicht mehr die gleiche ist wie in jungen Jahren und dass die Beweglichkeit ein wenig nachlässt.
  • Heute werden zunehmend Yoga-Kurse für SeniorInnen angeboten, welche gerne besucht werden. Die Übungspraxis wird verändert und den Möglichkeiten angepasst. Jedes bewegt sich gerade so, wie es ihm möglich ist, ev. auch auf dem Stuhl. Alle profitieren davon, dass sie etwas für sich tun. Für die Atmung, den Kreislauf, das Nervensystem und das Gehirn. Mit Yoga im Alter kann man ganz konkret den allgemeinen Gesundheitszustand und damit die Lebensqualität verbessern
  • Grundsätzlich unterscheiden sich Yoga und Sport in zwei ganz wesentlichen Punkten. Yoga praktizieren wir für uns selbst und fördert uns besonders im Hinblick auf körperlich-geistige Entwicklung.
  • Sport dagegen machen wir oft mit anderen zusammen und treten mit ihnen in einen konkurrenzierenden Wettkampf.
  • Im Yoga geht es ausdrücklich darum, das eigene Tempo, die eigene Form und Mass zu finden und dabei dürfen Konkurrenz und Wettkampf keine Rolle spielen. Wie beim Sport so können wir auch im Yoga unser Übungsprogramm so zusammenstellen, dass wir Kraft, Koordination, Beweglichkeit und Ausdauer trainieren.
  • Im Yoga üben wir immer im Hinblick auf unsere geistig-körperliche Entwicklung. Aktivieren wir z.B. Kraft, wollen wir auch unsere innere Kraft erfahren. Arbeiten wir z.B. an unserer Beweglichkeit, wollen wir dabei die Lebensenergie (Prana) in uns befreien und anregen. Trainieren wir unsere Koordination geht es dabei um die Harmonisierung der beiden Gehirnhälften. Das Ausdauertraining soll uns helfen, mit dem inneren „Schweinehund“, mit inneren Hindernissen gelassen umzugehen.

Ja, Yoga macht schön!

  • Die körperliche Übungspraxis hilft uns die Haltung zu verbessern, wir bewegen uns bewusster, anmutiger und achtsamer. Wir fühlen uns wohler in unserer Haut und strahlen dadurch Zufriedenheit aus. Und diese Zufriedenheit macht uns schön.
  • Mit Yoga bekommt man einen neuen Blickwinkel auf das, was im Leben wichtig und richtig ist und was man hinter sich lassen kann. Yoga hilft in Einklang mit sich selber zu kommen – und seine innere Schönheit zu entfalten. Somit werden Äusserlichkeiten wie Falten oder grauen Haare immer unwichtiger, weil der Gesamteindruck ein anderer geworden ist.

Nein – oft kursiert das Gerücht, dass Yoga eine Religion sei, was jedoch jeder Grundlage entbehrt.

  • In Indien zählt Yoga zu den Sichtweisen der philosophischen Systemen, die versuchen die Welt zu erklären. Die alten Yogatexte reflektieren darüber in welchem Verhältnis der Mensch zu der ihn umgebenden Schöpfung steht. Ein Kernsatz der Upanishaden lautet: “tat tvam asi“ und meint: “Du bist das“ – damit ist gemeint, dass der innenwohnende Wesenskern im Menschen und das Absolute, das die Welt beseelt eins sind.
  • Der klassische Yoga-Weg kann „das Herz öffnen“ und das Bewusstsein ausdehnen. Es heisst in den alten Yogaschriften (Yoga Sutra), dass Menschen mit religiöser Veranlagung, auf dem Weg zu sich, besser vorankommen. Der später entwickelte Hatha-Yoga (10. Jahrhundert) versteht sich als ein Heilsweg, um den Menschen den Weg dorthin zu weisen.